Innovatives Erzählen I

Vor 120 Jahren war das Kino ein neues Medium, das seinen Platz zwischen Jahrmarkt, Theater, Roman und Bildender Kunst erst finden musste. Inzwischen ist Film das Erzählmedium schlechthin. Aber ist es auch ein innovatives Medium? Während die Filmtechnik von der Einführung des Farb- und Tonfilms über Cinemascope und 3D bis zur Digitalisierung ein geradezu schwindelerregendes Innovationstempo vorlegt, bleibt das Erzählen selbst, bleiben Stoffwahl, Plotstrukturen, Figurenzeichnung usw., oft bemerkenswert konventionell. Und dennoch gibt es sie, die Filme, die auf neue Art erzählen, die filmische Mittel auf innovative Art einsetzen, konventionelle Handlungslogik aufheben oder mit Handlungsmustern experimentieren.

Die erste Filmreihe des Filmclubs im Kino in der Brotfabrik erinnert an (fast) 120 Jahre innovatives Erzählen im Kino. Beginnend mit einem Stummfilmprogramm führt die Reihe zunächst bis in die von Nouvelle Vague und Pop Art geprägten 1960er Jahre. In der zweiten Jahreshälfte wird die Filmreihe mit innovativen Positionen zwischen Autorenfilm und Mainstream in den 1970er bis 2000er Jahren fortgesetzt.

Innovation kann dabei ganz Unterschiedliches bedeuten: Zunächst galt es, das Potential des neuen Mediums Film zu erforschen – mit Ergebnissen, die gerade die Stummfilmzeit zu einer erfrischend lebendigen Phase der Filmgeschichte machen. Wenn die Zeit nach der Etablierung des Tonfilms um 1930 als eine Phase der Konsolidierung filmischen Erzählens, der klar definierten Filmgenres, der scheinbar übermächtigen Filmstudios gilt, so fehlte es doch keineswegs an Regiepersönlichkeiten – man denke nur an Alfred Hitchcock, Orson Welles, Luis Buñuel oder Akira Kurosawa –, die teils an den Rändern, teils im Herzen der Filmindustrie innovatives Kino machten. In den 1960er Jahren wird die Auseinandersetzung mit Geschichte und Konventionen des Films zu einem Grundprinzip filmischen Schaffens. Genreprinzipien werden spielerisch aufgebrochen, Seherwartungen systematisch unterlaufen, neue technische Möglichkeiten für einen frischen Blick auf die zeitgenössische Welt genutzt. Gerade am Ende des Jahrzehnts, auf dem Höhepunkt der 1968er-Bewegung, entstehen Filme, deren Erzählweise noch heute provozieren kann… (Fortsetzung folgt)

Veranstaltungsinformationen:
Eintritt: 7€/5,50€ // Veranstaltungsort: Kino in der Brotfabrik, Kreuzstraße 16, 53225 Bonn-Beuel (Nähe Bonn-Beuel Bf) // Kartenvorbestellung: 0228/478489 und www.bonnerkinemathek.de/programm // Internet: www.film-ist-kultur.de // Veranstalter: Förderverein Filmkultur Bonn e.V. in Kooperation mit Bonner Kinemathek e.V. // Projektleitung, Programm, Texte: Bernhard Gugsch, Ansgar Thiele // Programmkoordination: Sigrid Limprecht

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Weitere Informationen:

Zum Filmclub: Filmclub

Zum nächsten Termin: Innovatives Erzählen 1-5

Zu den weiteren Filmen der Reihe: Innovatives Erzählen – Die Filme

 

Der Flyer zum Herunterladen:

Innovatives Erzaehlen I