Dienstag, 15. August 2017, 21.00 Uhr, Arkadenhof der Universität Bonn

Großstadtzigeuner

Grossstadtzigeuner_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.
Grossstadtzigeuner_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.

Deutschland 1932 / Germany 1932
Regie / Directed by: László Moholy-Nagy
Drehbuch / Written by: László Moholy-Nagy
Kamera / Cinematography by: László Moholy-Nagy
Produktion / Produced by: László Moholy-Nagy
Format: 35mm
Farbe / Color: schwarzweiß / black and white
Länge / Running time: 12 min
Zwischentitel / Intertitles: deutsch / German
Musik / Music by: Richard Siedhoff (piano)

 

László Moholy-Nagy, einer der führenden Bauhaus-Künstler, drehte in den 1920er und 1930er Jahren mehrere Kurzfilme, in denen er die Möglichkeiten des Mediums erprobte. In diesem Dokumentarfilm porträtiert er Zigeuner im Wedding und in ­Marzahn. Am Rande der Großstadthektik leben sie in ihren Wagen und mit ihren Pferden, verkaufen Waren auf der Straße, spielen, musizieren und tanzen. Die oft in der Hand gehaltene Kamera bewegt sich mit den Protagonisten auf Augenhöhe.

László Moholy-Nagy, a leading Bauhaus artist, tested in his short films the possibilities of the medium. In this documentary film, he portrays Roma in the Berlin districts of ­Wedding and Marzahn. On the outskirts of the bustling metropolis, the gypsies live in caravans with their horses, selling wares on the street, playing, making music, and dancing. The camera is often hand-held and at eye level with the protagonists.

 

Im Zentrum des Films steht eine mit ihrer Wagenburg im Wedding angesiedelte Gruppe Fahrender, die ihre ursprünglich nomadische Kultur, buchstäblich am Rande der modernen urbanen Lebenswelt der Weimarer Republik, noch einigermaßen aufrechterhalten haben. Es ist keine heile Welt, die der Film vermittelt, dafür ist die Armut unter den Zigeunern zu offensichtlich. Das gezeigte, breit aufgefächerte Spektrum des Zigeuneralltags wird aber auch nicht zu einer Klage über den drohenden Untergang dieser von vielen romantisierenden Klischees vereinnahmten Kultur aufgebaut. Im Verlauf vieler Szenen wird ein Teil der noch intakten Lebensbedingungen der Bewohner der Wagenburg präsentiert. Die Palette reicht vom Handel auf dem großen Pferdemarkt, der Arbeit der Handleserinnen und Straßenverkäufer über das Karten- und Würfelspiel der Männer bis zum heftigen Streit, den Kinderspielen und dem Fest mit Musik und Tanz.
Jan Sahli: Filmische Sinneserweiterung. Marburg 2006

In a spirit of defiance against the world without, and of confidence in the world which we had discovered within ourselves, we decided to make a film we’d call GYPSIES. It was a project Moholy had planned for a long time. Gypsies had been the romantic element in his Hungarian childhood. Their way of life was regulated by a primitive rhythm of child-bearing and dying, youth and age, ruling and obeying, independent of Western civilization. It was almost too late to record this ancient nomadic culture. Automobile and radio had reduced the horse-traders and fiddlers to utter poverty, and the still hypothetical race laws of the National Socialists were poised to exterminate these “non-Aryans” in Germany the day the Republic fell. Europe’s great vagabonds were disappearing fast, and Moholy decided on a last record.
Sibyl Moholy-Nagy: Moholy-Nagy. Cambridge 1946