Mittwoch, 16. August 2017, 21.00 Uhr, Arkadenhof der Universität Bonn

Frankenstein

Frankenstein 2_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.
Frankenstein 2_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.

USA 1910
Regie / Directed by: J. Searle Dawley
Drehbuch / Written by: James Searle Dawley nach dem Roman von / based on the novel by Mary Shelley
Darsteller / Cast: Augustus Phillips, Charles Ogle, Mary Fuller
Produktion / Produced by: Edison Manufacturing Co.
Premiere: 18.3.1910 (New York)
Format: 35mm
Farbe / Color: viragiert / tinted
Länge / Running time: 16 min
Zwischentitel / Intertitles: englisch mit deutscher Übersetzung / English with German translation
Musik / Music by: Stephen Horne (piano, flute & accordion)

 

Die allererste filmische Adaption von Mary Shelleys Roman „Frankenstein“ wurde von Thomas Alva Edison produziert und unterscheidet sich von dem späteren Film­klassiker aus den 1930er Jahren in vielen Details grundlegend. So ist der künstlich ­geschaffene Mensch von Anfang an ein gefährliches Monster, weil es dem „Bösen in Frankensteins Geist“ entstammt. Die neue Restaurierung des Films durch die Library of Congress ist bei den Bonner Stummfilmtagen als Weltpremiere zu sehen.

This very first film adaptation of Mary Shelley’s novel “Frankenstein,“ produced by Thomas Alva Edison, differs fundamentally from the later 1931 film classic in many ways. Here the artificially-created human that stems from the “evil in Frankenstein’s soul” is a dangerous monster from the start. This new Library of Congress restoration of the film will celebrate its world premiere at the Bonn Silent Film Days.

 

Der Film hat eine Länge von etwas mehr als 12 Minuten und selbstverständlich müssen hier Abstriche an der Vorlage vorgenommen werden. James Searle Dawley kürzte die Originalgeschichte massiv auf einige wenige Szenen ein, welche sich auf die wesentlichen Momente derselben konzentrieren. Dawley hat hier gute Arbeit geleistet und das Ergebnis funktioniert sogar noch dann recht gut, wenn ein Zuschauer die Romanvorlage nicht kennt. Das ist wichtig, denn auch wenn heute nahezu jedermann mit der Geschichte um Dr. Frankenstein und sein Geschöpf vertraut sein mag, dürften nur die wenigsten Personen auch wirklich den Roman gelesen haben. Das Bild in den Köpfen heutiger Zuschauer wurde vornehmlich von Filmen geprägt. Diesen Bonus hatte FRANKENSTEIN als erste Verfilmung des Stoffes naturgemäß nicht. Daher verdient sich der Film die Anerkennung, hier Mary Shelleys Vorlage relativ originalgetreu eingefangen zu haben.
Ralf Ramge: Das Dokument des Grauens. Belp 2013