Sonntag, 19. August 2018, 21.00 Uhr, Arkadenhof der Universität Bonn

Faust. Eine deutsche Volkssage

Faust_Foto: Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.
Faust_Foto: Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.

Deutschland / Germany 1926
Regie / Directed by: F. W. Murnau
Länge / Running time: 105 min
Musik / Music by: Richard Siedhoff (piano)
Einführung / Introduction by: Stefan Drößler (Filmmuseum München)
Deutsche Erstaufführung einer neuen Restaurierung 

 

Bevor der heutige Ufa-Klassiker FAUST im Oktober 1926 in den deutschen Kinos anlief, wurde in der Öffentlichkeit eine leidenschaftliche Debatte geführt: Der Drehbuchautor Hans Kyser wehrte sich erfolgreich mit allen Mitteln gegen die Verwendung der von Gerhart Hauptmann erstellten Zwischentitel. Das Filmmuseum München hat nun erstmals den Film mit Hauptmanns Titeln rekonstruiert, die den Rhythmus und Charakter des Films verändern und stärker auf die Kraft der Bilder setzen./ In an intense public debate prior to the release of Ufa’s now classic film version of FAUST, screenwriter Hans Kyser fought successfully against the use of intertitles composed by the celebrated novelist Gerhart Hauptmann. Now, for the first time, the Munich Film­museum has reconstructed FAUST with Hauptmann’s titles, which alter the rhythm and character of the film significantly, placing greater emphasis on the power of the images.

 

Die Direktion der Ufa trat an mich heran, mit der Bitte, die Schriften zu einem Faust-Film zu schreiben, was ich zuerst ­ablehnte. Ob ich, so wurde ich daraufhin gefragt, wenigstens die vorhandenen Schriften revidieren und einen Rat geben wollte, wie sie zu verbessern seien. Dazu war ich schließlich bereit. Ich sah den Film, dessen Materie ohne Beschriftung einer naiven Menge nicht verständlich werden kann. Die Schriften aber im Film-Manuskript, sogenannte Titel der Filmsprache, waren, wie ich mich später überzeugen konnte, von einer so vollendeten Leere und Nichtigkeit, dass keine Verbesserung dieses dürftige und leichtsinnig hingeschmierte Zeug lebensfähig gemacht hätte. So reizte es mich, diesem stummen Werk diejenigen Worte mitzugeben, die wie Zündungen den geistigen Motor des Zuschauers beleben und ihn selbst, den Zuschauer, immer wieder sozusagen ins Bild setzen konnten.

Gerhart Hauptmann, Briefentwurf 1926

Mr. Jannings gives a masterful performance. He is a sly, busy satan, who, with a wink and a grim laugh, gloats over the misery he causes. He jeers at his victim, Faust. In one scene the devil even goes through the movements of mixing a cocktail, after saying that he does not touch alcohol.

Here is a picture which is as far removed from the ordinary movie as a Tintoretto painting. It flashes along, it is true. It inspires with its wealth of imagination, its shadows and soft lights, its astounding camera feats and its admirable portrayals. If any picture is calculated to lift the abused screen out of a rut, it is this radiant jewel, for not in a single instance has any one connected with this picture bowed to the usual commercial conventionalities. There is no stealing of Thespianic thunder, and although Mr. Jannings is the stellar player, the performances of the others are equally competent.

Mordaunt Hall, in: The New York Times, 7.12.1926