Donnerstag, 17. August 2017, 21.00 Uhr, Arkadenhof der Universität Bonn

Elisso (Eliso)

Elisso_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.
Elisso_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.

Gerogien 1928 / Georgia 1928
Regie / Directed by: Nikolos Schengelaja
Drehbuch / Written by: Sergei Tretjakow, Nikolos Schengelaja, nach dem Roman von / based on the novel by Alexander Kasbegi
Kamera / Cinematography by:Vladimir Kereselidze
Darsteller / Cast: Aleksandr Imedaschwili, Kochta Karalschwili, Kira Andronikaschwili, Aleksandr Jorjoliani, Tsetsilia Tsutsunawa
Produktion / Produced by: Goskinprom Gruzj
Premiere: 23.10.1928 (Tblissi)
Format: 35mm
Farbe / Color: schwarzweiß / black and white
Länge / Running time: 106 min
Zwischentitel / Intertitles: russisch mit deutscher Übersetzung / Russian with German translation
Musik / Music by: Günter A. Buchwald (piano, viola & violin) & Frank Bockius (percussion)

 

Das Meisterwerk des georgischen Stummfilms erzählt vor dem Hintergrund der Vertreibung der Tschetschenen aus dem Kaukasus im 19. Jahrhundert eine Liebes­geschichte zwischen der muslimischen Tschetschenin Elisso, Tochter des Clan-Chefs Astamir, und einem christlichen Chewsuren, der dem Bergvolk mit Waffenlieferungen helfen will. Nikolos Schengelaja verbindet die Montagen des sowjetischen Films mit atemberaubenden Landschaftsbildern und ethnographischen Aufnahmen.

This masterpiece of Georgian silent film, set against the backdrop of the expulsion of the Chechens from the Caucasus in the 19th century, is a love story between Eliso, Muslim daughter of Chechen clan chief Astamir, and a Christian Khevsurian who supports the mountain people with arms shipments. Nikoloz Shengelaia combines the montage of Soviet films with breath-taking landscape shots and ethnographic footage.

 

ELISSO, der als Triumph des georgischen Kinos gefeiert und augenblicklich zu einem sowjetischen Filmklassiker wurde, ist auch heute noch eine Offenbarung. Der Film markierte das Aufkommen einer neuen Nationalästhetik, die georgische Traditionen mit den Errungenschaften moderner Montagetechnik verband. Expressiver Minimalismus ersetzte die dekorative Exotik früherer georgischer „Modell-Filme“. Der Film ist reich an gut getroffenen Porträts und Landschaften, erfüllt von beredten Details und Dramatik und voll sowohl strukturell als auch emotional bedingter Rhythmus- und Tempowechsel – von statischen, freskoartigen Kompositionen bis hin zu rasend schnell geschnittenen Szenen emotionaler Anspannung. Berühmt wurde die Szene des impulsiven Tanzes der deportierten Tschetschenen. ELISSO hat seine Kraft und historische Relevanz beibehalten, nicht zuletzt vor dem Hinter­grund der sich heute im Kaukasus abspielenden Dramen.
Sergei Kapterev, Le Giornate del Cinema Muto, 2011