Donnerstag, 10. August 2017, 21.00 Uhr, Arkadenhof der Universität Bonn

Die kleine Veronika

Die kleine Veronika_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.
Die kleine Veronika_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.

Österreich 1930 / Austria 1930
Regie / Directed by: Robert Land
Drehbuch / Written by: Max Jungk, nach dem Roman von / based on the novel by Felix Salten
Kamera / Cinematography by: Otto Kanturek, Bruno Timm
Darsteller / Cast: Käthe von Nagy, Maly Delschaft, Mizzi Zwerenz, Harry Hardt, Karl Forest, Gustl Werner, Artur Ranzenhofer, Anny Ranzenhofer
Produktion / Produced by:Pan-Film AG / Nero-Film AG
Premiere: 21.11.1929 (Berlin)
Format: digital
Farbe / Color: schwarzweiß / black and white
Länge / Running time: 82 min
Zwischentitel / Intertitles: Deutsch / German
Musik / Music by: Joachim Bärenz (piano)

 

Erst kürzlich wurde einer der schönsten österreichischen Stummfilme vom Filmarchiv Austria in einem französischen Archiv wiederentdeckt und restauriert. Weil das Elternhaus kein Geld für die Firmung aufbringen kann, folgt die hübsche Veronika einer Einladung ihrer Tante nach Wien. Doch hier erwarten sie nicht nur die Sehenswürdigkeiten der großen Stadt, sondern ein liebevoll gezeichnetes, fragwürdiges Milieu, in dem ihre Tante wirkt und das für das Mädchen zahlreiche Gefahren birgt.

Only recently was this, one of the finest Austrian silent films, rediscovered in a French archive and restored by Filmarchiv Austria. Because her parents can’t afford to pay for her confirmation, pretty Veronica accepts an invitation from her aunt to go to Vienna. Awaiting her there are the usual big-city attractions, but also the (lovingly depicted) questionable company her aunt keeps, which holds countless dangers for the girl.

 

Der Regisseur des Films kennt seine Wiener. Er hat wohl zwei Schlüsse gedreht, den einen, bei dem er sich an die Novelle hält: Veronika geht in die Donau; den zweiten, ein Happyend: ein anständiger Bursch rettet Veronika im letzten Augenblick aus den Fluten. Wir bekamen leider das Happyend zu sehen und in dieser Fassung wird der Film auch in Wien laufen. Wenn die Gewalt, die dem Werk des Dichters angetan wurde, geradezu vandalisch ist, so wird man reichlich entschädigt durch die meisterhafte Darstellung. Regisseur Robert Land erzielt mit den einfachsten Mitteln stärkste Wirkung. Mit ganz wenigen Ausnahmen baute er die landschaftlichen Szenen nicht im Atelier, sondern ging hinaus in die Straßen Wiens oder in die ländliche Natur. Genial ist die Photographie Otto Kantureks. Er verwandelt die Kamera in einen Zauberkasten, der durch geschickte Bildausschnitte die Stadt Wien und die Natur noch schöner erscheinen lässt, als sie in Wirklichkeit sind.
Freiheit!, Wien, 5.1.1930