Freitag, 11. August 2017, 21.00 Uhr, Arkadenhof der Universität Bonn

Der Untergang des Hauses Usher (La Chute de la Maison d’Usher)

Der Untergang des Hauses Usher 2_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.
Der Untergang des Hauses Usher 2_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.

Frankreich 1928 / France 1928
Regie / Directed by: Jean Epstein
Drehbuch / Written by: Jean Epstein, nach Motiven von / based on motifs by Edgar Allan Poe
Kamera / Cinematography by: Georges Lucas
Darsteller / Cast: Marguerite Gance, Jean Debucourt, Charles Lamy Fournez-Goffard, Luc Dartagnan
Produktion / Produced by: Les Films Jean Epstein
Premiere: 5.10.1928 (Paris)
Format: digital
Farbe / Color: viragiert / tinted
Länge / Running time: 62 min
Zwischentitel / Intertitles: französisch mit deutscher Übersetzung / French with German translation
Musik / Music by: Joachim Bärenz (piano)

 

Einer der großen Klassiker des Stummfilms, der – basierend auf der Geschichte von Edgar Allan Poe – ganz auf visuelle Stimmungen und beunruhigende Bilder setzt: „Hier sehen wir konturlose Hallen und ungewisse Treppen, endlose finstere Gänge, die von tragischen Schatten bevölkert sind. Türen gehen auf, Gardinen wehen, Hände strecken sich aus, und Schleier schweben in nebelhaften Gewässern. Es sind Assoziationen der dunklen Eindrücke einer dunklen Ballade.“ (Béla Balázs)

Based on the story by Edgar Allan Poe, this great silent film classic emphasizes visual atmosphere and unsettling images. “Here we see halls without contours and uncertain stairways, endless dark passageways peopled by tragic shadows. Doors open, curtains blow, hands reach out, and veils hover above nebulous waters. They are associations, dark impressions of a dark ballad.” (Béla Balázs)

 

Auf den ersten Blick scheint LA CHUTE DE LA MAISON USHER einer der konventionellsten Gattungen der kinematografischen Produktion anzugehören, der Literaturverfilmung. Jedoch macht sich Epstein den fantastischen Charakter von Poes Erzählung zunutze, um avantgardistische Motive und Techniken einzubeziehen. Der Film hält sich nicht an die klassischen Regeln der Kameraführung. Epstein vermeidet die „Herrschaft der Ratio im narrativen Fluss“ und beeindruckt unsere Sinne mit wirkungsvollen Perspektiven, fließenden Konturen und Überlagerungen, indem er mit einer äußerst bewegungsreichen Kamera spielt. Bilder aus der Natur brechen den Film gleichsam „dokumentarisch“ auf: fliehende Landschaften, ein Fluss, sich wiegende Bäume, Kröten, die sich paaren. Solche Aufnahmen von unterschiedlicher Länge verzaubern uns wie die Wiederholungen einer Litanei.
Jacques Kermabon, in: L’avant scène Cinéma, Nr. 313/314, 1983