Cinema Italiano – Italienische Kino-Klassiker! – i classici del cinema italiano!

11.-25. April 2006 im Kino in der Brotfabrik, Kreuzstraße 16, 53225 Bonn-Beuel

Die Geschichte des italienischen Films ist reich an Meisterwerken, herausragenden Regisseuren, brillanten Kameramännern, unvergleichlichen Schauspielern, stilprägenden Genres und Klassikern des Weltkinos.

In Deutschland jedoch ist seit vielen Jahren das bedeutende italienische Filmerbe immer seltener auf den Leinwänden der Kinos zu sehen. Viele italienische Filme sind im Laufe der Zeit aus dem Repertoire der Filmverleihe verschwunden und in den Filmarchiven Deutschlands gibt es kaum noch originalsprachige italienische Filmkopien.

Umso erfreulicher ist es, dass es in Italien seit Jahren ein großes Bemühen um den Erhalt des eigenen cineastischen Erbes gibt. Auf Festivals in Italien und Europa werden immer wieder italienische Filmklassiker in restaurierten Kopien aufgeführt und lassen die vergangene Kinogeschichte in neuem Glanz erstrahlen. Wir möchten die aufwändig restaurierten Filme nach Bonn holen und in einer einmaligen Präsentation auf die Leinwand ins Kino bringen.

Mit der Filmreihe Italienische Kino-Klassiker – I classici del cinema italiano möchten wir auf diese Weise einen wichtigen Teil der europäischen Filmmoderne wieder ins Bewusstsein einer interessierten Öffentlichkeit bringen. Wir laden Italienfreunde und Kinoliebhaber zu einer aktuellen Betrachtung der italienischen Filmgeschichte ein. Denn Filmgeschichte ist ein lebendiger Teil des öffentlichen kulturellen Bewusstseins und lässt sich vor allem im Kino erleben!

Ausgehend vom Italienischen Neorealismus der 40er Jahre umfasst die Filmreihe ausgewählte Werke bis zum Höhepunkt der italienischen Filmgeschichte in den 60er Jahren.

Der Italienische Neorealismus kann stilgeschichtlich zweifelsohne als Beginn der klassischen Moderne des europäischen Kinos gelten, der mit seinem Anspruch vom authentischen Pier Paolo Pasolini-Erzählen die Diskussion um Realismus bis in die heutige Zeit beeinflusst hat. Die sich daran anschließende Entwicklung des italienischen Films vom realismusgeprägten Nachkriegskino zu einem von persönlicher Handschrift gekennzeichneten Film der 50/60er Jahre trägt den Keim des Autorenkinos in sich, der bis heute das künstlerische Selbstverständnis europäischer Regisseure prägt. Die Zeit der 40-60er Jahre bietet daher aus filmhistorischer Sicht zum einen die Wiederbegegnung mit einer historisch sehr einflussreichen Formensprache des italienischen Kinos wie auch mit ästhetischen Wertmaßstäben, an denen sich die europäische Kinokultur bis in die heutige Zeit messen lassen muss. Der historische Rückblick verbindet sich auf diese Weise mit aktuellen Fragestellungen, die aus der heutigen Filmdebatte bekannt sind. Zudem lädt die Filmreihe zu einer Reise durch die verschiedenen Regionen Italiens ein. Die Filmauswahl führt die Zuschauer quer durch Italien, von Süd nach Nord. DIE ERDE BEBT (LA TERRA TREMA) von Luchino Visconti erzählt im dokumentarischen Gestus des beginnenden Neorealismus vom Leben sizilianischer Fischer in Aci Trezza, einem Küstenort unweit Catanias. Auf die Liparischen Inseln führt der Film DIE MIT DER LIEBE SPIELEN (L’AVVENTURA) von Michelangelo Antonioni. Zudem begegnet der Zuschauer mit der Suche nach der vermissten Hauptperson Städten wie Palermo, Messina und Taormina. MAMMA ROMA von Pier Paolo Pasolini ist ein soziales Drama aus den ‘Borgate’ (Vororten) der Hauptstadt Italiens. Südlich von Rom, in den ländlichen Gebieten der Ciociara, ist die Literaturverfilmung UND DENNOCH LEBEN SIE (LA CIOCIARA) nach Alberto Moravias gleichnamigen Roman angesiedelt. Federico Fellinis autobiografisch angelegte Komödie DIE MÜSSIGGÄNGER (I VITTELLONI) beschreibt das provinzielle Dasein von fünf Freunden, die in Pesaro an der adriatischen Küste ihr Leben vergeuden. Etwas nördlicher, in der Flussebene des Po in der Emilia-Romagna, entfaltet sich Luchino Viscontis dramatische Liebesgeschichte OSSESSIONE…VON LIEBE BESESSEN. Mit der Familientragödie von ROCCO UND SEINE BRÜDER geht es in den industrialisierten Norden Italiens, nach Mailand in der Lombardei. Natürlich dürfen auch die Stars des italienischen Kinos nicht fehlen. Die kraftvolle und raue Anna Magnani (MAMMA ROMA, BELLISSIMA), die kühle und empfindsame Monica Vitti (DIE MIT DER LIEBE SPIELEN / L’AVVENTURA), die sinnliche Claudia Cardinale (UNTER GLATTER HAUT / UN MALEDETTO IMBROGLIO) und die glamouröse Sophia Loren (UND DENNOCH LEBEN SIE / LA CIOCIARA) sowie der wehleidige und komische Alberto Sordi (DIE MÜSSIGGÄNGER / I VITTELLONI).

Eine Ausstellung im Foyer der Brotfabrik mit italienischen Originalfilmplakaten, die es in Bonn bisher noch nie zu sehen gab, begleitet die Filmreihe und lädt zu einem spannenden Besuch ein.