Sonntag, 20. August 2017, 21.00 Uhr, Arkadenhof der Universität Bonn

Abends nach Neune & Flottenmarsch

Flottenmarsch_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.
Flottenmarsch_Foto_Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.

Abends nach Neune
Deutschland / Germany 1907
Musik / Music by: Victor Hollaender
Darsteller / Cast: Anna Müller-Lincke, Leonhard Haskel
Produktion / Produced by: Deutsche Bioscop
Format: digital
Farbe / Color: schwarzweiß / black and white
Länge / Running time: 3 min

Flottenmarsch
Deutschland / Germany 1908
Musik / Music by: Otto Schwiecker
Darsteller / Cast: Kapelle 2. Garde-Regiment zu Fuß, Ltg. / Cond. Max Graf
Produktion / Produced by: Deutsche Mutoskop und Biograph
Format: digital
Farbe / Color: schwarzweiß / black and white
Länge / Running time: 3 min

 

Eine beliebte Attraktion des frühen deutschen Kinos waren Tonbilder, bei denen Fil­me zusammen mit einer auf dem Grammophon gespielten Tonaufnahme vor­geführt wurden. Die meisten Sujets dieser Filme waren musikalische Darbietungen, bei denen die mangelhafte Synchronität von Bild und Ton nicht so auffiel. Das Deutsche Film­institut hat mehrere dieser Filme rekonstruiert, indem die in verschiedenen Archiven verwahrten Bilder und Töne wieder zusammengefügt wurden.

“Sound pictures,” films that screened while sound recordings played on a gramophone, were popular attractions of early German cinema. Most of the subjects of these films were musical presentations where the lack of synchronicity between image and sound weren’t so noticeable. The Deutsches Filminstitut has reconstructed a number of these films by reassembling sounds and images which have been preserved in various archives.

 

Zeitgleich mit französischen Konkurrenten entwickelte Oskar Messter in Deutschland ein Synchronton-Verfahren, das um 1902/03 marktreif wurde: das sogenannte „Tonbild“. Es waren „singende und sprechende“ Filme, gedreht zu vorab aufgezeichneter Musik, die im Kino zu einer Grammophonplatte vorgeführt wurden. Tonbilder haben eine Länge von ca. 3-4 Minuten. Sie sind unterhaltsame, dramatische oder auch burleske Werke, die ein besonders populäres Musikstück bebildern. Häufig wurde gesungen oder getanzt, zuweilen wurden Revueszenen oder – seltener – auch mal gesprochene Sketche dargeboten. So intonierte die Militärkapelle Graf einen FLOTTENMARSCH, und in ABENDS NACH NEUNE, nach einem Lied aus der Metropol-Theater-Ausstattungs­posse „Durchlaucht Radieschen“ (1903), warnte ein tanzendes und singendes Duo die Jugend schelmisch vor den Risiken abendlicher Spaziergänge, denn „je später ist die Stunde, desto größer die Gefahr‘‘.
Anke Mebold